Oberflächenversiegelung von Carbonrahmen


Beschichtung von Carbonoberflächen

Grundsätzlich müssen Carbonrahmen nicht lackiert, versiegelt werden, jedoch gilt es hier genau zu differenzieren. Ein Carbonlaminat besteht aus den Carbonfasern selbst und der 2-komponentigen Epoxdharzmatrix, welche nicht nur die Stützfunktion der Fasern übernimmt, diese in Position zu halten, sondern diese auch vor Feuchtigkeit schützt. 

 

Beim Bau von Hightech-Carbonyachten, oder Formel 1 Boliden, wo es auf jedes Gramm ankommt wird im Inneren keine zusätzliche Beschichtung aufgebracht. Hygroskopie (Fähigkeit von Stoffen Feuchtigkeit aufzunehmen) ist daher zu vernachlässigen, bzw. nicht gegeben.

Wird die Oberfläche eines Carbonlaminat mit der Oberflächengüte der Klasse A (entspricht einer glatten, geschlossenen Oberfläche) oder auch der Klasse B, für die weitere Verarbeitung angeschliffen, ist eine Versiegelung anzuraten, da hierdurch einzelne Carbonfasern bzw. Carbonfilamente offen gelegt werden und durch Kratzer absplittern können, hier erfüllt eine einfache Lackierung vorrangig wiederum eine schützende, vorwiegend mechanische Funktion.

 

Für ein Carbonbike ist der Faktor Hygroskopie klar zu vernachlässigen. Treibt man es auf die Spitze ist Hygroskopie bei dauerhafter Feuchtigkeitsexposition in Form von permanentem eintauchen in Wasser klar gegeben, aber entbehrt in der Praxis für einen Carbonrahmen jeglicher praktischer Grundlage. Unabhängig davon sollten aber angeschliffene Oberflächen versiegelt werden, denn ein weiterer und absolut nicht zu vernachlässigender Faktor ist Korrosion, zwischen offenen, unversiegelten Carbonfasern und Aluminiumanbauteilen, wie z.B. Zuganschläge oder Anlötsockel aus Alu. Speziell diese Montagegestellen sollten im Übergangsbereich versiegelt sein und regelmäßig mit Sprühwachs gewartet werden. 

 

An dieser Stelle sei angemerkt, dass wir vor eigenhändigem Anschleifen eines Carbonrahmens dringend abraten, diese Arbeit gehört in professionelle Hände. Ein Carbonrahmen kann durch unsachgemäßes Entlacken sehr leicht entwertet und für den weiteren Einsatz gefährlich werden, in der Folge ist ein abruptes Versagen der Gesamtstruktur dann ohne weiteres möglich. Ein weiterer Aspekt der dagegen spricht, dass dadurch jeglicher Garantie- und Gewährleistungsanspruch gegenüber dem Hersteller erlischt.

 

Die UV-Beständigkeit ist ein weiterer Faktor, Epoxydharze sind per se nicht UV – resistent. Jedoch ist die Expositionszeit selbst bei intensiver Nutzung nicht sehr hoch und somit wiederum kein einschränkendes Kriterium. Im Vergleich hierzu sind Carbonmasten von Segelyachten eine komplette Saison, auch in den langen Liegezeiten im Hafen, permanenter UV-Bestrahlung ausgesetzt.

 

Vorrangig bei Carbonrahmen sind Lackierungen Designelemente. Meist sind diese eine Kombination aus überlackierten Transferfolien, sprich Foliendesign, sowie partiell lackierten Teilsektionen. In der Regel sind bei einer Reparatur die Farbtöne im Nachgang nicht mehr anzugleichen, da die Folien aus dem Pantone-Farbsystem stammen und nicht in Lackfarbtöne (RAL-Farbsystem) zu konvertieren sind, sowie in der Schichtstärke deutlich differieren und zu guter Letzt die Farbtöne undefiniert durch den Abschlusslack verfälscht werden.

 

Weiß lackierte Carbonrahmen neigen an kritischen, hochbelasteten Stellen, z.B. Tretlagerknoten oder Sattelrohrknoten, zu Rissbildungen. Dies muss nicht zwangsläufig ein Strukturschaden sein, sondern ist oft auch der größeren Schichtstärke geschuldet, welche unter Belastung diese zum „springen“ bringt, Haarrisse sich bilden können.

 

Für empfindliche, penible Carbonbikebesitzer ist eine transparente oder Hochglanz schwarze Komplettlackierung zu empfehlen; Kratzer sind hier sehr leicht und einfach auszubessern. Im Gegensatz dazu sind Oberflächenschäden in Mattlacken deutlich aufwendiger anzugleichen und wie bereits erwähnt an farbigen Rahmen mit Foliendesign nahezu unmöglich 1zu1 auszubessern.

 

Fazit: Carbonrahmen sollten lackiert werden. Die vorrangigen Gründe dafür liegen im mechanischen Oberflächenschutz und der Korrosion und nicht im UV- oder Feuchtigkeitsschutz, was aber dennoch für die beiden Letzteren genannten,  einen zusätzlichen Schutz mit sich bringt.


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